Sascha Kabierske
"Technik-Experte um die Ecke"

Mit 25 Jahren Erfahrung im stationären Handel, unter anderem als Marktgeschäftsführer und Regional-Manager, kennt Sascha Kabierske die Anforderungen an moderne Handelsimmobilien sowohl aus operativer als auch aus strategischer Perspektive. Seit Februar 2025 leitet Kabierske als Prokurist den Bereich Real Estate & Asset Management bei MediaMarktSaturn Deutschland. In dieser Rolle verantwortet er die nationale Portfoliostrategie sowie die Bereiche Real Estate, Store Concepts, Store Construction und Facility Management. hitec sprach mit ihm über Standorte der Zukunft, innovative Flächenkonzepte und die Bedeutung der Omnichannel-Integration für die Zukunft des Handels.
hitec: Herr Kabierske, Sie waren früher regionaler Vertriebsleiter in Berlin und sind heute Prokurist im Bereich Real Estate. Welche Erfahrungen aus dem operativen Geschäft helfen Ihnen heute am meisten?

Sascha Kabierske: Ganz eindeutig das Gespür für den Kunden und das Verständnis für die Dynamik auf der Fläche. Als regionaler Vertriebsleiter war ich sehr nah am Tagesgeschäft und habe erlebt, wie entscheidend Flexibilität, Tempo und lokale Besonderheiten sind. Heute, in der Immobilienstrategie, hilft mir das enorm. Ich betrachte Flächen nicht nur aus der Excel-Perspektive, sondern immer auch aus Kundensicht. Wie fühlt sich ein Standort an? Wie bewegen sich Menschen dort? Welche Services machen vor Ort wirklich Sinn? Dieses Zusammenspiel aus Zahlen, Emotion und Erfahrung ist für mich der Schlüssel. 

MediaMarkt Xpress scheint weiter expansiv. Ersetzen Ihre kompakten Standorte größere Filialen?

Sie ersetzen nicht, sie ergänzen. Die Expansion in Deutschland ist für uns ein zentrales Ziel, das wir mit Leidenschaft vorantreiben. Wir investieren weiterhin intensiv in den stationären Handel und entwickeln unsere Formate konsequent weiter. Mit dem Format Xpress und dem Format Smart erschließen wir Standorte, die früher gar nicht infrage kamen, etwa moderne Nahversorgungszentren, kleinere Städte, urbane Lagen oder Fachmarktzentren. Das Xpress-Format mit 400 bis 1.100 Quadratmetern ist optimal für Regionen, die bisher nicht in unser Raster passten. Smart geht noch einen Schritt weiter, mit unter 400 Quadratmetern in hochfrequentierten Innenstadtlagen. Dort liegt der Fokus auf Convenience, Schnelligkeit und Omnichannel. So schaffen wir Nähe, Effizienz und neue Reichweite, ohne das klassische Format aufzugeben.


"Wir erschließen Standorte, die früher gar nicht infrage kamen, etwa moderne Nahversorgungszentren, kleinere Städte, urbane Lagen oder Fachmarktzentren."

Ist es schwierig, dafür geeignete und bezahlbare Innenstadtstandorte zu finden? Wo liegen die Probleme?

Gerade in Innenstädten sind Mietpreise und Nebenkosten teils unwirtschaftlich hoch. Hinzu kommt, dass viele Flächen aus einer Zeit stammen, in der man im Handel noch deutlich größer gedacht hat. Heute brauchen wir schlankere und flexiblere Lösungen, doch oft sind wir an langfristige Mietverträge für überdimensionierte Flächen gebunden. Außerdem steigen die Nebenkosten stetig, auch für leerstehende Bereiche. Das passt nicht mehr zu den heutigen Realitäten. Wir brauchen neue Mietmodelle, die mehr Spielraum lassen und stärker am tatsächlichen Flächenbedarf orientiert sind.

Wie erleben Sie die Entwicklung im innerstädtischen Umfeld des Einzelhandels? Wird hier genug getan?

Leider noch nicht ausreichend. In Deutschland entscheidet das Stadtplanungsrecht sehr strikt, wo sich Einzelhändler überhaupt niederlassen dürfen. Für Non-Food-Händler wie uns ist das oft ein echtes Nadelöhr. Gerade in kleinen und mittleren Städten fehlen geeignete Flächen oder sie sind zu teuer. Würden die Regelungen flexibler gestaltet, könnten innovative Konzepte wie unsere Smart- oder Xpress-Märkte gezielter entwickelt werden. Zugleich war angekündigt, dass das Stadtplanungsrecht in dieser Legislaturperiode überarbeitet werden soll – wir würden sehr begrüßen, wenn dieser Prozess nun zügig startet.

Wie kann man das Onlinegeschäft noch besser mit den stationären Flächen vernetzen?

Wir sind längst Omnichannel. Kundinnen und Kunden erreichen uns, wo sie gerade sind. Sie können online bestellen, im Store abholen, sich vor Ort beraten lassen und später digital weitershoppen. Dieses nahtlose Erlebnis wollen wir weiter verfeinern. Potenzial liegt vor allem in der Personalisierung und der Nutzung von Daten. Wenn wir wissen, was Kundinnen und Kunden wirklich bewegt, können wir ihre Wünsche über alle Kanäle hinweg bedienen. Persönlich, relevant und mit einem echten Mehrwert.

Auf der IFA in Berlin haben Sie die „Markentransformation zum Experience Champion“ vorgestellt. Was steckt dahinter?

Wir wollen den Einkauf neu definieren, weg vom klassischen Produktregal hin zu einem Erlebnisort. Unsere Stores werden zu Bühnen für Technologie. Im MediaMarkt Tech Village im Alexa in Berlin sieht man das schon sehr schön: Erlebnisflächen, Gaming-Zonen, Smart-Home-Demos oder Pick-up-Points für Onlinebestellungen. Das alles schafft Begegnung und Emotion. Konkret bedeutet das: Statt nur Produkte zu verkaufen, schaffen wir Momente. Kunden können auf einer sogenannten „Experience Zone“ beispielsweise Styling-Geräte direkt selbst testen, Gaming-Setups ausprobieren oder eine Smart-Home-Szenerie durchspielen. Diese Erlebnisse kann kein Online-Shop bieten. Wir nennen das intern Space-as-a-Service, also Flächen, die erlebbar, wandelbar und relevant sind. So bleibt jeder Besuch spannend und überraschend.


"Wir möchten bei unseren Kundinnen und Kunden das Gefühl schaffen, beim kleinen Technik-Experten um die Ecke zu sein."

Was ist leichter zu steigern: die Frequenz im Laden oder die Wertschöpfung pro Kunde?

Am Ende ist es eine Frage der Qualität der Begegnung. Reine Frequenz ist kein Wert an sich. Wenn die Menschen kommen, aber nichts mitnehmen, haben wir nichts gewonnen. Entscheidend ist, dass jeder Besuch ein Erlebnis ist, das in Erinnerung bleibt. Dann steigt auch automatisch die Wertschöpfung.

Sie setzen stark auf Services. Ist „Personalized Service“ der nächste Schritt?

Definitiv. Wir möchten bei unseren Kundinnen und Kunden das Gefühl schaffen, beim kleinen Technik-Experten um die Ecke zu sein, nur eben mit der Schlagkraft von Deutschlands Elektronikhändler Nummer Eins. Das beginnt mit der Online-Buchung eines Beratungstermins, geht über den persönlichen Empfang im Markt, endet aber nicht mit dem Kauf. Wir helfen beim Transport, geben Kontaktdaten für Rückfragen mit und bleiben ansprechbar. Diese persönliche Betreuung macht den Unterschied. Dabei setzen wir auch auf Daten: Bei Mitgliedern unserer Kundenprogramme kennen wir die Kaufhistorie und die Vorlieben unserer Kunden. Wenn jemand vor drei Monaten ein Smartphone gekauft hat und heute nach passenden Kopfhörern sucht, wissen wir das und können entsprechend beraten. Das ist echter Service – persönlich, aber gleichzeitig hochprofessionell und effizient.

MediaMarkt hat ein starkes Markenbild. Ist das kein Widerspruch zum Konzept „Space-as-a-Service“?

Ganz im Gegenteil. Partnerschaften zwischen starken Marken schaffen zusätzlichen Mehrwert. Wir sehen unsere Stores zunehmend als Plattform, auf der Marken sich inszenieren und Kundinnen und Kunden Produkte direkt erleben können. So profitiert am Ende jeder: die Marke, wir und vor allem der Kunde.

Andere Elektronikhändler wie Coolblue expandieren ebenfalls stark. Ist das für Ihre Strategie ein Problem?

Entscheidend ist, dass unser Konzept flexibel genug ist, um auf jede Standortgegebenheit zu reagieren. Unsere Formatstrategie deckt vom City-Store bis zum Fachmarktzentrum alles ab. Wir wählen den Standort, der zum Format passt, und nicht umgekehrt. So bleiben wir skalierbar und beweglich. Doch natürlich beobachten wir unsere Wettbewerber sehr genau.

Eine Zeit lang hat MediaMarkt auch Standorte von mittelständischen Händlern übernommen – ist das immer noch Teil der Strategie?

Wenn der Standort passt, sind wir offen. Am Ende geht es um Relevanz und Potenzial. Wir prüfen jede Fläche individuell und wenn sie zur Region und zu unserem Konzept passt, sind wir interessiert.

Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz künftig im Handel mit technischen Produkten?

Eine sehr große. KI wird uns helfen, Kundinnen und Kunden besser zu verstehen und Prozesse zu vereinfachen, von der Sortimentsplanung bis zur Beratung. Digitale Zwillinge, Echtzeitdaten zur Frequenz oder personalisierte Produktempfehlungen sind längst keine Zukunftsmusik mehr. Entscheidend ist aber, dass Technologie keine Nähe ersetzt, sondern sie möglich macht.

Was macht Ihren Job besonders reizvoll und woran könnte man verzweifeln?

Reizvoll ist die Mischung aus Strategie und Praxis, aus Immobilien und Emotion. Ich kann gestalten, mit langfristiger Wirkung. Und manchmal ist es eben genau diese Langfristigkeit, die Geduld verlangt. Der Vertrieb lebt im Jetzt, Real Estate denkt in Dekaden. Das sorgt für lebhafte Diskussionen, aber genau das macht es spannend.

Herr Kabierske, vielen Dank für das Gespräch!

FOTOS: MEDIAMARKTSATURN

Autor: Joachim Dünkelmann

Dieser Artikel ist am 4. November 2025 erstmals erschienen in der Printausgabe von hitec Magazin, Ausgabe 11 / 2025.

 

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Sascha Kabierske im Interview des Monats, MediaMarktSaturn

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