Sühel Semerci: Auch wenn ich die Geschäftsführung innehabe, sind wir ein Führungsteam. Wir sind ein extrem dynamisches und flexibles Unternehmen und stellen uns kontinuierlich auf aktuelle Entwicklungen ein. Daher bewahren wir die bisher guten und positiven Merkmale und verändern, wo immer es notwendig ist. Ich denke wir haben uns nun mit Hisense und Gorenje in Deutschland zu einer Größe entwickelt, in der sowohl das Channel-Management, als auch die Produktstrategie noch gezielter gesteuert werden muss. Darüber hinaus muss sich unser Wachstum auch in den Kanälen stärker entwickeln, in denen wir noch Aufholbedarf haben, wie z. B. im klassischen Küchenhandel, aber auch im traditionellen Fachhandel. Hierzu werden wir unsere Organisation noch weiter ausbauen, um die nötigen Kapazitäten sicherzustellen. Hisense als unsere technologische und innovative Marke bietet wesentlich mehr in den höheren Preissegmenten, die wir noch zu schwach nutzen. Hier gilt es sowohl im Handel als auch bei den Endverbrauchern die Wahrnehmung zu stärken. Unsere globalen Sponsoringaktivitäten, gepaart mit unseren lokalen Maßnahmen, werden eine gute Grundlage hierfür bilden. Wir werden zudem mit unseren gewerblichen Produkten unserer weiteren, globalen Marke ASKO starten.
Ist Ihr Team jetzt komplett oder sind Sie noch auf der Suche?
Wie bereits erwähnt wachsen wir weiterhin und wollen uns auch in Zukunft weiterentwickeln. Daher sind wir kontinuierlich auf der Suche nach Mitarbeiter:innen, die sich gerne in einem internationalen, dynamischen und motivierenden Umfeld einbringen wollen.
Vor gut fünf Jahren wurden die Organisationen von Hisense Gorenje hierzulande verschmolzen. Wie hat sich die Markenpositionierung verändert, wofür stehen Hisense und Gorenje heute?
Es sind in der Tat bereits fast 7 Jahre. Die Verschmelzung mit der komplett neuen Organisationskonstellation, der gemeinsamen Führung, aber auch die „neue“, gemeinsame Heimat in Garching bei München hat aus zwei unterschiedlichen Unternehmenskulturen eine starke Gemeinsamkeit geschaffen. In der Positionierung haben wir klare Ziele: Hisense ist unsere innovative, technologische Premiummarke während Gorenje auf Funktionalität, Design und Zugänglichkeit ausgerichtet ist.

"Hisense bietet wesentlich mehr in den höheren Preissegmenten, die wir noch zu schwach nutzen."
Sind Sie mit der Bekanntheit Ihrer beiden Marken beim deutschen Konsumenten zufrieden?
Die gestützte Bekanntheit von Gorenje ist aufgrund der langjährigen Präsenz in Deutschland gut. Auch die Markenbekanntheit von Hisense hat sich in den vergangenen Jahren u.a. durch die globalen Sponsorings stark entwickelt. Wir sehen jedoch noch einen intensiven, langen Weg, um die Bekanntheit auf ein Level zu bringen, das dem Markenwert gerecht wird. Der Weg dorthin jedoch ist klar gezeichnet.
Welche Highlights darf man im Sport-Sponsoring 2026 erwarten?
Nun, bekannt ist ja bereits, dass wir wieder als offizieller Sponsor der Fußballweltmeisterschaft dabei sind. Hier wird die Sichtbarkeit der beiden Marken erneut immens hoch sein. Neben den Sponsoring-Rechten an der Fußballweltmeisterschaft engagiert sich Gorenje auch im Handball und ist Partner der EHF Handball-EM im Januar und der EHF Champions League. Rund um die Sportereignisse setzen wir 360°-Marketingkampagnen und Sellout-Aktivierungen um, die Online- und Offline-Maßnahmen kombinieren.
Der Markteintritt von JD.com bei Ceconomy war ein Paukenschlag – was bedeutet das für Ihre strategische Allianz mit MediaMarktSaturn?
Wir können natürlich nicht einschätzen, welche Veränderungen sich für MediaMarktSaturn in welchem Zeitraum ergeben werden. Ich gehe davon aus, dass dieser Markteintritt von JD die MMS auf lange Sicht eher stärken wird und unsere lang angelegte, strategische Zusammenarbeit davon profitiert.
Erleichtert es die Zusammenarbeit, wenn die beiden Mutterkonzerne chinesischen Ursprungs sind?
Diese Vermutung höre ich tatsächlich immer wieder von unterschiedlichen Seiten. Ich sehe hierfür tatsächlich keinerlei Anhaltspunkte. Mit solch einer Logik könnte man ja im gleichen Atemzug unterstellen, dass wir bisher benachteiligt gewesen wären. Ich denke, das wäre sehr weit hergeholt. Am Ende hat jedes Unternehmen seine eigene Strategie und eigenen Ziele. Das sind die Grundlagen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit auf beiden Seiten.
Ist Ihre Distribution in Deutschland ausbalanciert? Wo sehen Sie noch Potenziale?
Gegenüber dem gesamten Marktsplitt im Handel haben wir aus einigen, nachvollziehbaren Gründen noch Aufholbedarf im Küchen- und Fachhandel. Diese Entwicklung wird für uns unter anderem eine strategisch wichtige Ausrichtung werden.
Welche Rolle spielen aus Ihrer Sicht die Einkaufskooperationen und der inhabergeführte Fachhandel?
Der Fachhandel hat in Deutschland schon immer eine bedeutende Rolle gespielt und wird auch weiterhin ein elementarer Kanal bleiben. Allerdings sehe ich dort auch die Herausforderung, dass sich der Fachhandel auch den Marktgegebenheiten bzw. Marktentwicklungen anpassen und die sich ergebenden Chancen besser nutzen muss. Denn das Markenportfolio des Fachhandels ist wiederum nicht marktkonform mit anderen Kanälen. Chancen werden aus traditionellen Gründen und Gewohnheit nicht ausreichend genutzt. Aber Handel ist eben auch Wandel. Der Spruch hat noch immer Gültigkeit.
Was sind die Erfolgsfaktoren bei der Vermarktung KI-gestützter Technik und smarter Vernetzung von Hisense?
Die erfolgreichen Vermarktungsfaktoren für KI-gestützte Technik und smarte Vernetzung von Hisense liegen vor allem in einer klaren Nutzenkommunikation statt technischer Details. Entscheidend ist, dass Kunden konkrete Alltagsszenarien erleben, in denen KI Komfort, Zeit- oder Energieersparnis bringt. Ebenso wichtig sind einfache Bedienung, unkompliziertes Onboarding und offene Ökosysteme, damit sich die Technik problemlos in bestehende Smart-Home-Umgebungen integrieren lässt. Vertrauen entsteht durch Transparenz bei Datenschutz und messbare Mehrwerte, etwa belegte Effizienzgewinne oder unabhängige Auszeichnungen. Ergänzend steigern starke Partnerschaften, Handelsschulungen und Live-Demos die Sichtbarkeit und erklären den Mehrwert direkt am Point of Sale.
Welche Rolle spielt Produktqualität im deutschen Markt und wie gehen Sie das Thema an?
Im deutschen Markt spielt Produktqualität eine zentrale Rolle, da Verbraucher hier besonders hohe Erwartungen an Zuverlässigkeit, Langlebigkeit und Service haben —Hisense sowie Gorenje punkten auch global mit starker Marktposition, technologischer Innovation, Qualitätszertifizierungen und dem eigenen Anspruch auf benutzerorientierte Technologie und hohe Standards. Zertifizierungen, lokale Produktion/Qualitätsstandards in EU-Werken unterstreichen unsere Produktqualität.

„Wir haben noch Aufholbedarf im klassischen Küchenhandel, aber auch im traditionellen Fachhandel.“
Sehen Sie das Recht auf Reparatur als Herausforderung oder Chance?
Um offen zu sein, verstehe ich diesen politischen Ansatz nur sehr schwer und als Beirat im ZVEI für Elektro-Großgeräte kann ich feststellen, dass ich mit dieser Ansicht nicht alleine bin. Denn Recht auf Reparatur hat es hierzulande doch schon immer gegeben. Wir können aber nicht auf der einen Seite unseren Wohlstand und die Dienstleistungskosten hochhalten und gleichzeitig erwarten, dass Reparaturkosten sich auf einem finanzierbaren Niveau bewegen. Eine Reparatur muss sich für den Endverbraucher, der ein Gerät mehrere Jahre im Gebrauch hat, finanziell gegenüber dem Neukauf lohnen. Dies ist in der derzeitigen Situation für den Endverbraucher wirtschaftlich kaum darstellbar.
Ist der Kunde bereit, für Nachhaltigkeit und Effizienz von Hausgeräten auch mehr zu bezahlen?
Das ist definitiv so, zumal wir in unseren Produktsegmenten nachhaltige und effiziente Produkte durchaus auch sehr erschwinglich anbieten können.
Fahren Sie gerne zur IFA nach Berlin?
Grundsätzlich fahre ich gerne zur IFA nach Berlin und werde es natürlich auch in 2026 gerne wieder tun.
Was ist aktuell Ihre Lieblingsinnovation von Hisense Gorenje?
Im Bereich TV sind es unsere RGB Mini LED-Geräte. Diese Technologie liefert ein helles, beeindruckendes Bild mit erstklassiger Farbgenauigkeit und Brillanz. Und im Bereich der Hausgeräte erweitern wir unser Portfolio an Hisense Kühl-Gefriergeräten mit smartem Display um einen Side by Side und eine Cross Door Kombination mit ConnectLife Hub, über den alle smarten Hausgeräte gesteuert werden können. Die Geräte punkten mit ihrer Vielseitigkeit, einem dunklen Interieur und dem 21 Zoll großen TFT- Display.
Was hat Sie – bezogen auf unsere Branche – in 2025 so richtig überrascht?
Unsere Branche ist ganz sicher immer wieder für Überraschungen gut. Ich denke gegen Ende des Jahres kam der Rückzug einiger Marken in bestimmten Geschäftsfeldern für viele doch etwas überraschend.
Herr Semerci, vielen Dank für das Gespräch.
FOTOS: HISENSE GORENJE
Autor: Joachim Dünkelmann

Dieser Artikel ist am 3. Februar 2026 erstmals erschienen in der Printausgabe von hitec Magazin, Ausgabe 1-2 / 2026.