Welche Ziele haben Sie sich für Ihr Engagement im Führungsgremium gesetzt?
Mein Anspruch ist es, die Interessen unserer Genossinnen und Genossen auf Augenhöhe zu vertreten und gleichzeitig Impulse für die Zukunft zu setzen. Ich möchte dazu beitragen, dass Euronics auch künftig ein starker, moderner und unabhängiger Fachhandelsverbund bleibt. Über interne Themen spreche ich bewusst nicht öffentlich. Was ich jedoch sagen kann: Langfristiger Erfolg entsteht nur gemeinsam – mit starken Mitgliedern und starken Industriepartnern.

"Ich bin überzeugt, dass Miet- und Nutzungsmodelle auch im Endkundengeschäft zunehmend an Bedeutung gewinnen werden."
Was sagt Ihre Familie dazu, dass Sie Ihre Freizeit jetzt mit Euronics-Themen verbringen?
Ich habe das große Glück, eine außergewöhnliche Frau an meiner Seite zu haben. Wir sind ein echtes Team, ergänzen uns in unseren Stärken und tragen gemeinsam Verantwortung – sowohl im Unternehmen als auch in der Familie. Seit der Geburt unseres Sohnes ist Familie unsere größte Priorität. Trotzdem gelingt es uns, Beruf, Familie und mein Engagement im Aufsichtsrat in einer guten Balance zu halten.
Wie teilen Sie sich die Arbeit mit Ihrer Frau im Unternehmen auf?
Wir ergänzen uns hervorragend. Ich verantworte Strategie, Einkauf, Vertrieb und Unternehmensentwicklung. Meine Frau Natalie verantwortet Marketing, Finance und Controlling und bringt als Wirtschaftspsychologin zusätzlich wertvolle Impulse für Mitarbeiterführung und Markenentwicklung ein.
Sie betreiben sechs Standorte, davon nur einen Vollsortimenter. Gehört Spezialisten die Zukunft?
Ja. Der größte Unterschied zum Onlinehandel ist nicht nur der Preis. Kunden erwarten heute Kompetenz, persönliche Beratung, Service und individuelle Lösungen. Genau darin liegt die Stärke des Fachhandels. Wer echten Mehrwert schafft und den Kunden in den Mittelpunkt stellt, wird auch künftig erfolgreich sein.

"Liquidität, Planungssicherheit und partnerschaftliche Zusammenarbeit sind mindestens genauso wichtig wie Einkaufspreise."
Sind sechs Standorte genug?
Nein. Ich kann mir gut vorstellen, unser Filialnetz gezielt um weitere Vollsortiment-Standorte zu erweitern, wenn die Rahmenbedingungen passen.
Viele Ihrer Kollegen suchen Nachfolger. Sind Regiebetriebe die Lösung?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Entscheidend ist, wie unabhängig ein Unternehmen von einer einzelnen Persönlichkeit aufgestellt ist. Ist das Unternehmen strukturell gut organisiert, können Regiebetriebe eine sehr gute Lösung sein.
Wie gefällt Ihnen die Zusammenarbeit zwischen Euronics und Elaraby?
Ich halte Exklusivmarken für einen wichtigen Baustein, um den Fachhandel weiter zu stärken. Unsere bisherigen Erfahrungen mit Elaraby sind positiv. Entscheidend ist, dass solche Partnerschaften langfristig Mehrwert für unsere Mitglieder schaffen.
Gab es unter den etablierten Lieferantenpartnern keinen, mit denen man so etwas hätte machen können?
Ich habe großes Vertrauen in die Entscheidung unseres Vorstands und bin überzeugt, dass diese Partnerschaft mit Blick auf die langfristigen Interessen unserer Mitglieder getroffen wurde. Ich durfte die Verantwortlichen von Elaraby persönlich kennenlernen und habe ein Unternehmen erlebt, das unsere Werte in vielen Bereichen teilt. Besonders beeindruckt hat mich der Anspruch, Lösungen zu schaffen, von denen Industrie und Fachhandel gleichermaßen profitieren. Dieses Win-win-Denken ist die Grundlage einer nachhaltigen Partnerschaft. Deshalb haben wir uns ganz bewusst für diesen Weg entschieden.

Früher ging es vor allem um Einkaufsvorteile. Ist das Geschichte?
Heute geht es nicht mehr nur um Einkaufspreise. Themen wie Liquidität, Planungssicherheit und partnerschaftliche Zusammenarbeit sind mindestens genauso wichtig. Der Fachhandel trägt erhebliche Vorleistungen und unternehmerisches Risiko. Deshalb wünschen wir uns eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Gleichzeitig wünschen wir uns, dass die Industrie dem Fachhandel wieder einen breiteren Zugang zu innovativen und attraktiven Produkten ermöglicht. Immer häufiger erleben wir, dass Produkte zunächst ausschließlich über den Direktvertrieb oder ausgewählte B2C-Kanäle vermarktet werden. Das erschwert es dem Fachhandel, seine Stärken auszuspielen und Kunden ein vollständiges Sortiment anzubieten.
Sind die Kunden in Deutschland Mietmuffel?
Nein. Miet- und Nutzungsmodelle müssen stärker an die Bedürfnisse der Kunden angepasst werden. Ich bin überzeugt, dass dieses Thema künftig weiter an Bedeutung gewinnen wird.
Im Geschäftskundenbereich ist Leasing längst Standard.
Absolut. Leasing ist im B2B-Bereich seit Jahren etabliert. Ich bin überzeugt, dass ähnliche Modelle auch im Endkundengeschäft zunehmend an Bedeutung gewinnen werden.
Social Media, App oder Print-Beilage?
Es gibt keinen Generalschlüssel. Marketing muss sich immer an der jeweiligen Zielgruppe orientieren. Ich bin überzeugt, dass erfolgreicher Handel heute auf einen echten Multichannel-Ansatz setzen muss. Social Media, Apps, digitale Kanäle und regionale Print-Beilagen ergänzen sich sinnvoll. Gerade durch die Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz können Zielgruppen heute deutlich präziser analysiert und Kunden individueller angesprochen werden. Genau darin liegt aus meiner Sicht die Zukunft eines erfolgreichen Marketings.
Verbrenner oder Elektroauto?
Für die Stadt Elektro, für die Langstrecke Hybrid.

Sie waren im Juni bei der Euronics Summer Convention auf Mallorca – ein Format mit Zukunft?
Auf dem Flug nach Mallorca habe ich mir tatsächlich die Frage gestellt, ob das bestehende Format langfristig das Richtige für unsere Genossenschaft ist. Ich wollte mir bewusst vor Ort mein eigenes Bild machen. Die positiven Rückmeldungen unserer Händler und Industriepartner haben mich beeindruckt. Gleichzeitig gehört es zu einer starken Genossenschaft, bestehende Formate regelmäßig zu hinterfragen und weiterzuentwickeln. Ein großer Mehrwert der ESC ist aus meiner Sicht außerdem, dass dort alle drei Ebenen unserer Genossenschaft zusammenkommen – die Mitglieder, die Industriepartner und die Zentrale. Dieser direkte Austausch schafft Verständnis füreinander, stärkt die Zusammenarbeit und ermöglicht es, gemeinsame Lösungen schneller zu entwickeln. Deshalb werden wir das Feedback sorgfältig auswerten und gemeinsam über die zukünftige Ausrichtung entscheiden.
Herr Ayubyar, vielen Dank für das Gespräch.
FOTOS: N. A. MOBILE
Autor: Joachim Dünkelmann

Dieser Artikel ist am 1. September 2026 erstmals erschienen in der Printausgabe von hitec Magazin, Ausgabe 9 / 2026.