Michael Maier
"eScooter - sonst nichts!"

Sein letztes Glanzstück hat er bei SharkNinja mit dem Aufbau eines erfolgreichen Teams und der Vervielfachung des Umsatzes abgeliefert. Mit seiner neuen Position als Senior Vice President Europe bei PURE Electric will der erfahrene Branchenmanager Michael Maier den Markt der Elektro-Mobilität kräftig aufmischen. Kein geringerer als Unternehmensgründer und CEO Adam Norris hat den Schwaben eingestellt, um das eScooter-Geschäft auf ein neues Level zu bringen. Im hitec Interview des Monats verrät „Micha“ Maier, wieso der Fachhandel das nicht verpassen sollte und warum die Welt auf eScooter von PURE gewartet hat.
hitec: Herr Maier, haben Sie einen McLaren als Dienstwagen bekommen oder einen Roller?

Michael Maier: Das ist EINER der Vorteile wenn man bei PURE arbeitet – man bekommt beides! Und sogar in EINEM Fahrzeug in Form eines PURE McLaren Flex-Scooters. Hier ein paar technische Daten dazu: 16,2 Kilogramm Gewicht, bei 924 Watt Peak-Leistung, was will man mehr? Dazu kommt noch eine extrem niedrige Straßenlage, die es ermöglicht, sehr sicher und entspannt und besonders in Innenstadtlagen von einem Punkt zum anderen zu kommen. Und das alles noch wirklich transportabel, da falt- und klappbar.

Sie sind Mitte Februar bei PURE gestartet – wo stehen Sie heute in Sachen Struktur und Vertrieb?

Wir sind in Europa aktuell primär im Aufbau in Bezug auf die Abteilungen Marketing & Vertrieb, aber auch das Thema Service generell ist ein wichtiges Thema. Dabei fokussieren wir uns in erster Linie auf die für eScooter wichtigsten Märkte. Dies sind Deutschland, Frankreich und Spanien. Speziell in Deutschland, aber auch in Frankreich haben wir in den vergangenen Monaten viele Prozesse gestartet und teilweise auch bereits umgesetzt.


"Wir machen NUR eScooter. Wir sind kein Hersteller, der heute Mobiltelefone, morgen eScooter und übermorgen etwas anderes produziert."

Was ist das mittel- und langfristige Ziel von PURE in Deutschland?

Wenn man sich den Markt, bzw. die Nutzerpenetration in Deutschland anschaut, dann ist hier noch viel Luft nach oben. Aktuelle Marktzahlen zeigen auf, dass knapp 3 % der privaten Haushalte einen eScooter besitzen, es aber in Deutschland mittlerweile knapp 12 Millionen Nutzer von eScootern gibt. Diese Diskrepanz ist auf den Leihscooter-Bereich zurückzuführen. Allerdings ist auch klar, dass Innenstädte Leihscootern skeptisch gegenüberstehen, bzw. diese ganz verbieten möchten. Wir haben also auf der einen Seite viele Anwender, die eScooter gerne und oft nutzen und auf der anderen Seite Städte und Gemeinden, die die Leihscooter verbieten möchten.

Das heißt?

Als Konsument werde ich perspektivisch die Wahl haben, einen eScooter für mich selbst zu kaufen, oder diese eben nicht mehr nutzen zu können. Hier setzen wir mit unseren Produkten an und möchten den Konsumenten mit kompakten, leistungsstarken und bezahlbaren Produkten überzeugen. Hinzu kommt, dass sich auch zunehmend ältere Menschen für Alternativen zum öffentlichen Nahverkehr interessieren, auch hier können wir mit unseren Produkten durch eine sehr gute Fahrstabilität bei den Modellen aus der Escape- und Advance-Reihe punkten.

Bei Ihrem letzten Arbeitgeber haben Sie den Fachhandel zu „ein bisschen mehr Mut“ aufgefordert. Gilt das auch heute noch?

Ich war die letzten Wochen sehr viel in ganz Europa und auch in Deutschland unterwegs und ich habe sehr oft gehört, dass das Geschäft in der Braunen Ware, in der Weißen Ware, bei Kleingeräten und auch bei Mobilfunk und IT sehr schleppend läuft. Auf der anderen Seite habe ich - auf Basis der letzten Auswertungen eines unabhängigen Marktforschungsunternehmens – in Deutschland ein Wachstum bei eScootern von knappen 50 %!

Laut Statistischem Bundesamt verfügten 2023 erst 2,9 % der privaten Haushalte über einen elektrobetriebenen Tretroller. Wie groß sehen Sie das Potenzial?

Wie bereits erwähnt, ich sehe ein sehr großes Potenzial für den eScooter Markt. Mehr als 12 Millionen Nutzer in Deutschland sprechen eine klare Sprache. Hinzu kommen gestiegene Kraftstoff-Kosten, deutliche gestiegene Kosten in Innenstädten für Parkhäuser und auch des ÖPNV´s – hier können eScooter eine sehr gute Alternative sein. Aber nicht nur in Stadtlagen sehe ich eScooter als gute Ergänzung, sondern auch in ländlichen Regionen in denen eben nicht alle 10 Minuten ein Bus von einem Ort zum anderen fährt, die Menschen aber trotzdem von einem Punkt zum anderen kommen müssen. Oft haben die Menschen hier gar keine Alternative zum privaten PKW, ein eScooter kann aber auch hier aus meiner Sicht ein Problemlöser, beziehungsweise eine gute Alternative sein.

Was bedeutet das für den Händler?

Als Händler habe ich aus meiner Sicht zwei Aufgabenstellungen: 1) Schauen, dass ich das Geschäft in den bisherigen Kernbereichen stabilisiere und 2) über den Tellerrand der aktuellen Sortimente schaue und mir überlege, wie ich mit neuen Sortimenten zusätzliche Umsätze und Margen erwirtschaften kann. Das ist sicherlich nicht einfach, aber es ist doch auf der anderen Seite eine große Chance, die ich als Unternehmen nutzen sollte.

Welcher Vertriebsweg ist für die Vermarktung von Elektro-Rollern am besten geeignet?

Für mich ganz klar der Fachhandel. Sei es nun online oder stationär. Auch hier gibt es Marktdaten, nach denen mittlerweile 47 % aller eScooter online gekauft werden. Hier muss ich mich als Händler online professionell aufstellen mit umfangreichem Content. Zusätzlich habe ich aber als stationärer Händler hier die große Chance, den Konsumenten noch zusätzliche Services zu bieten. Fahrtests direkt beim Händler, eine klare Bedarfsanalyse vor Ort kann ich online eben nicht bieten, ist aber gerade in einer noch jungen Kategorie sehr wichtig. Besonders wichtig ist aus meiner Sicht auch das „Touch&Feel“. Bei unseren hochwertigen Produkten ist das sehr wichtig.


"Wir wissen wie der Fachhandel in Deutschland funktioniert und was er benötigt, um mit dieser Kategorie erfolgreich zu sein."

Warum sollte der Elektro-Fachhändler das Thema Elektro-Rollern (wieder) forcieren?

Zusammengefasst: Weil es sich lohnt und der Bedarf der Konsumenten da ist. In den letzten Jahren gab ja bereits einen gewissen Hype, die Realität ist aber auch, dass frühere Produkte oft technisch nicht ausgereift waren, es keine Konzepte für den Fachhandel seitens der Hersteller für die Umsetzung am POS gab und der Fachhandel oftmals alleine gelassen wurde mit der Kategorie. Wir von PURE gehen hier ganz klar einen anderen Weg. Wir bieten technisch ausgereifte, innovative Produkte und unterstützen den Fachhandel mit umfangreichen POS-Lösungen, Schulungen und Trainings rund um das Thema Elektromobilität. 

Was unterscheidet die Produkte von PURE vom Wettbewerb?

Auch wenn es sich etwas „flapsig“ anhört: Wir machen NUR eScooter. Nichts anderes – und das 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche. Wir sind kein Hersteller, der heute Mobiltelefone, morgen eScooter und übermorgen etwas anderes produziert. Auch entwickeln und designen wir unsere Produkte alle selbst – hört sich total normal an, ist es aber nicht. Es gibt viele Unternehmen, die in Asien Produkte kaufen und dann einfach mit ihrer Marke labeln. Das kann man machen, ist aber nicht unsere Strategie.

Was heißt das ganz praktisch?

Unsere Kompetenz in diesem Segment unterstreichen wir mit mehr als 8 Patenten, die uns auszeichnen. Angefangen von einer automatischen Lenkstabilisierung, die in dieser Form einzigartig bei unseren Scootern ist, über besonders ergonomisch geformte Lenker bei einigen Modellen oder auch der Fahrposition mit beiden Beinen in Fahrtrichtung bei unseren Escape-Modellen, die eine hervorragende Fahrstabilität sicherstellt. Wir haben ein Team von Experten, die ausschließlich das Feedback von Endkunden aufnimmt und diese Wünsche dann umsetzt. Für uns ist das Fahrerlebnis alles und hier entwickeln wir absolut kompromisslos, um ein optimales Fahrerlebnis sicherstellen zu können.

Warum sollte sich ein Elektro-Fachhändler für die Zusammenarbeit gerade mit PURE entscheiden?

Wir bieten unseren gemeinsamen Konsumenten Produkte, die technisch ausgereift und State-of-the-Art sind. Nehmen wir unsere Scooter der Flex-Baureihe. Mit einem Gewicht von 16,2 Kilogramm eine der leichtesten ihrer Art, kompakt faltbar und trotzdem mit hohen Reichweiten ausgestattet, sind diese die perfekte Ergänzung für Konsumenten im Alltag. Hinzu kommt sicherlich, dass wir wissen wie der Fachhandel in Deutschland funktioniert und was er benötigt, um mit dieser Kategorie erfolgreich zu sein. Last -but not least- verkaufen wir die Ware durch die hohe Sichtbarkeit auf Social Media und unserer Kooperationen, zum Beispiel mit McLaren, vor.

Welche Rolle spielt die Marke McLaren und der Name Norris in der Vermarktung von PURE-Produkten?

Adam Norris als Gründer des Unternehmens und sein Sohn Landa Norris, aktuell amtierender Formel-1 Weltmeister, spielen natürlich bei der Vermarktung eine große Rolle. Dies werden wir auch mit neuem POS-Material nochmals deutlich intensivieren und für hohe Sichtbarkeit am POS sorgen. Das Gute daran ist, dass ich als Händler nicht zwangsläufig riesige Verkaufsflächen benötige, wir können nahezu jede Ladengröße mit unserem POS-Material aufmerksamkeitsstark gestalten. Mit McLaren haben wir eine Kooperation, die wir aktiv durch Sondermodelle leben und die unsere absoluten Flagschiffprodukte sind.

Schreckt die im Frühjahr erweiterte Haftung für eScooter-Fahrer die Kunden vom Kauf ab?

Nein, das können wir aktuell nicht feststellen. Grundsätzlich finde ich persönlich es auch gut, dass es klare Regelungen gibt und nicht jeder meint, dass die Straße ein rechtsfreier Raum ist.

eScooter fallen unter das Recht auf Reparatur. Ist PURE Electric darauf vorbereitet?

Das Thema Service ist uns sehr wichtig und auch wenn wir bei der Anzahl der defekten Produkte mit sehr geringen Ausfallquoten glänzen können, müssen wir schauen, wie wir hier gemeinsam mit dem Handel sinnvolle Lösungen für den Konsumenten erarbeiten. Daran arbeiten wir aktuell und ich kann zu einem späteren Zeitpunkt in diesem Jahr mit Sicherheit zusätzliche Informationen bereitstellen.

Welche Messen spielen für PURE eine Rolle?

Wir fokussieren uns auf die wichtigsten Messen in den jeweiligen Ländern. Für Deutschland gesprochen, sind die Kooperationsmessen ein fester Bestandteil. Zusätzlich haben wir uns bereits dieses Jahr für die IFA in Berlin fest eingeschrieben. Uns ist die enge Kommunikation mit dem Handel und mit Entscheidern extrem wichtig und ich wüsste ehrlich gesagt auch für diese Kategorie kein besseres Forum als die IFA in Berlin.

Mit welchem Fahrzeug holen Sie sonntags Ihre Brötchen?

Die Wahrheit: Seit ich bei PURE bin, nutze ich an den Wochenenden für Kurzstrecken nahezu ausschließlich den eScooter oder gehe ein paar Schritte zu Fuß. Positiver Nebeneffekt: Ich werde nahezu immer von Kunden beim Bäcker auf den McLaren-Scooter angesprochen und so kann ich am Wochenende neben dem Brötchenkauf auch noch ein paar Brötchen verdienen.

Herr Maier, vielen Dank für das Gespräch.

FOTOS: PURE ELECTRIC

Autor: Joachim Dünkelmann

Dieser Artikel ist am 16. Juni 2026 in gekürzter Fassung erstmals erschienen in der Printausgabe von hitec Magazin, Ausgabe 6-7-8 / 2026.

 

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Michael Maier, Senior Vice President Europe bei PURE Electric, im hitec Interview des Monats

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